SIG meets Martin Schäfer (UWG)

Vergangenen Montag, am 24.02, fand im Rahmen der „SIG meets…“ Veranstaltungsreihe das vorletzte Treffen mit einem Bürgermeisterkandidaten statt. Diesmal freute sich der Vorstand des SIG e.V. den amtierenden ersten Bürgermeister Martin Schäfer begrüßen zu dürfen, der erneut als Bürgermeisterkandidat für die UWG kandiert.

Nach einer kurzen Begrüßung durch den ersten Vorsitzenden der Selbständigen in Gröbenzell Thomas Decker, stellte sich Herr Schäfer persönlich vor.

Der amtierende Bürgermeister Martin Schäfer begann seine Vorstellung mit seinem persönlichen Weg in die Politik. Im Jahr 2007, nach einer Veranstaltung zum Thema Bahnhofsstraße entschied sich Herr Schäfer damals den Weg in die Politik zu wagen. „Man kann nicht nur meckern, man muss auch was machen“ war sein Satz, mit dem er seine Kandidatur damals begründete. Als einziger gewählter Vertreter der UWG wurde er dann in den Gemeinderat gewählt und bekam die ersten Einblicke in die Kommunalpolitik. Als alleiniger Vertreter konnte er sich nicht wie andere Fraktionen darauf verlassen, dass es für jedes Thema einen speziellen Fachkundigen gibt. „Wenn man alleine ist, dann muss man für alles der Fachmann sein“ erläuterte er weiter. Im Jahr 2014 entschied er sich dann noch einmal für die UWG anzutreten. Diesmal mit einem neuen Team und als Bürgermeisterkandidat. Nach einer Stichwahl gegen die CSU, gewann er damals die Bürgermeisterwahl und wurde zum amtierenden Bürgermeister in Gröbenzell.

Auf die Rückfrage, warum er noch einmal antritt, antwortete Herr Schäfer kurz und knapp „Ich bin nicht fertig, deswegen muss ich weitermachen.“
Mit diesem Satz wurde die Vorstellung beendet und Herr Decker führte über in den Frageteil der Veranstaltung.



Thomas Decker – Thema Kirchen-/Bahnhofstraße:
Wie soll es konkret weitergehen, nachdem ISEK abgeschlossen ist und vermutlich auch der neue Bebauungsplan für die Bahnhofstraße beschlossen wird?

Martin Schäfer:
Herr Schäfer verweist zum Beginn seiner Antwort auf das ISEK, das die Grundantwort auf diese Frage liefert. Er erläutert weiter, dass das ISEK alles erklärt und enthält, was für die Ortsentwicklung essentiell ist. „ISEK ist die Basis, die in den nächsten 15 – 20 Jahren umgesetzt werden muss. Egal von welcher Partei der Bürgermeister gestellt wird“ so Schäfer weiter.

Als erster Punkt ist für Herrn Schäfer natürlich die Bahnhofsstraße ein persönliches Thema. Dieses Thema war damals der ursprüngliche Grund für die Politik und das Thema möchte er gerne zeitnah abgeschlossen sehen, damit es dort zu Bewegung kommt. Er hofft hier darauf, dass der Bebauungsplan, der sich seit Jahren zieht und aufgrund von diversen Änderungen und Anmerkungen immer wieder angepasst werden musste, zeitnah beschlossen werden kann.

Weiter erläutert der amtierende Bürgermeister, dass es während seiner Kandidatur keinen einzigen Grundstückverkauf gegeben hat. „Die Grundstücke in Gröbenzell werden nicht billiger und wir werden immer teurer bauen“ erläutert der Bürgermeister weiter. Daher ist er strickt gegen den Verkauf von Grundstücken aus dem Gemeindebesitz. Allerdings sieht er auch, dass die Gemeindeverwaltung bei allen ihren Aufgaben es nicht im Kreuz hat, alle Grundstücke selbständig zu bebauen. Somit sieht Herr Schäfer Möglichkeiten mit Erbpachtverträgen zu arbeiten oder mit der kommunalen Baugenossenschaft Projekte umzusetzen. Bewegung wird allerdings zügig in das Thema reinkommen, wenn der Bebauungsplan beschlossen ist, da die privaten Eigentümer zügig mit der Bebauung ihrer Grundstücke beginnen werden.

Thomas Decker – Thema Gewerbegebiet:
Wie stehen sie zu einer generellen Parkzeitbeschränkung, nachdem diese in der Danziger Straße eingeführt wurde/wird.

Martin Schäfer:
„Nachdem ich das mit eingeführt habe, sehe ich das Thema natürlich positiv“ beginnt Herr Schäfer seine Antwort. Er erläutert, dass im Schnitt 15 PKWs dauerhaft in der Danzingerstraße geparkt haben. Diese Fahrzeuge wollte man zunächst mit einer Einschränkung auf 8 Stunden verringern, musste jedoch feststellen, dass die 8 Stunden für die anliegenden Betriebe zu kurz waren. So wurde die Parkzeitbegrenzung auf 10 Stunden erhöht, was sich seitdem bewährt. „Die Autozahl hat sich seitdem in der Danzigerstraße halbiert, jedoch verlagert sich das Problem in die anliegenden Straßen“ ergänzt Herr Schäfer. Somit muss für die Zukunft geprüft werden, wie weit und wohin diese Parkzeitbegrenzung ausgeweitet werden kann.



Thomas Decker – Thema Förderung des Gewerbes:
Würden Sie als Bürgermeister gezielt Maßnahmen ergreifen, um die örtlichen Selbstständigen und Gewerbetreibenden zu unterstützen. Wenn ja, wie?

Martin Schäfer:
Bei diesem Thema verweist der amtierende Bürgermeister erneut auf ISEK und die darin enthaltenen Punkte und Ziele. Die Förderung des Gewerbes ist Bestandteil von ISEK und hält hierfür den Bebauungsplan für die westliche Kirchenstraße fest. Als vorbereitende Maßnahme hat die Gemeinde hierfür bereits Vorverkaufsordnung für Bahnhof und Kirchenstraße erlassen.

Damit es jedoch auch schnellere Maßnahmen gibt, möchte Herr Schäfer den Radverkehr in Gröbenzell stärken. Er verweist auf den REWE in der Kirchenstraße, der vor Jahren totgesagt wurde. Doch nun wird dieser stark besucht und die meisten kommen zu Fuß oder mit dem Fahrrad. Diese Tatsache muss in seinen Augen unterstützen. So möchte der amtierende Bürgermeister zusätzliche Fahrradständer in der Kirchenstraße und besondere Parkplätze für Lastenfahrräder schaffen.
Zusätzlich möchte er das Thema Fassadenbegrünung angenehmen und sich mit der Barrierefreiheit im Ort aktiver auseinandersetzen.

Thomas Decker:
Können sie sich eine gezielte Unterstützung/Förderung durch die Gemeinde bei der E-Mobilität für Unternehmen vorstellen. Welche Maßnahmen sehen sie?
Welche Unterstützung würden sie für Unternehmen bieten, um energieeffizienter zu arbeiten, bei z.B. energetische Sanierung der Gebäudehülle; Einsparungen in der Produktion; Fotovoltaik etc.

Martin Schäfer:
„Ich habe als Unternehmer nie die Politik gebraucht, um die Beste Möglichkeit für mich zu finden“ beginnt Herr Schäfer seine Ausführung. „Wenn etwas für meinen Betrieb wirtschaftlich sinnvoll war, dann habe ich das angeschafft“.
Mit diesem Statement verweist Herr Schäfer auf den Interessenskonflikt der Gemeinde an dieser Stelle. Er sieht bei diesem Thema auch eher die Innungen in der Pflicht als Berater den Unternehmen zur Seite zu stehen. Die Gemeinde können eine Beratung kaum intern stemmen. Gleichzeitig verweist Herr Schäfer auf den aktuellen Datenschutz, der viele neue Ideen und Konzepte unmöglich macht. So ist es zum Beispiel nicht mehr möglich aus den Unternehmen in Gröbenzell eine bestimmte Auswahl zu treffen und diese gezielt anzuschreiben. Somit kann die Gemeinde zum Beispiel noch nicht einmal bestimmte Unternehmen oder Personen gezielt zu einer Veranstaltung einladen.

Thomas Decker:
Wie sehen sie die derzeitige Situation des Einzelhandels in Gröbenzell. Besteht aus ihrer Sicht Handlungsbedarf? Wenn ja, wie?

Wie sehen sie den derzeitigen Stand der Infrastruktur für die Selbstständigen. Wie und was würden sie anpacken?

Martin Schäfer:
Die Situation des Einzelhandels in Gröbenzell sieht der amtierende Bürgermeister sehr schwierig. „Die Situation ist sehr komplex, denn eine Handvoll Einzelhändler gestaltet aktiv mit, andere sind nur passiv bei Aktivitäten dabei und der Großteil unternimmt gar keinerlei Handlung. Daher ist es in Gröbenzell schwierig etwas für den Einzelhandel zu tun, da viele Unternehmer kein Interesse zeigen“ erläutert Herr Schäfer die Situation.

Gleichzeitig verweist Herr Schäfer auf die Kooperationen, die für gewisse Aktivitäten benötigt werden. Früher gab es hierfür den BDS. Nachdem sich jedoch ein Teil der Mitglieder im neu gegründeten SIG wiedergefunden haben, sitzt die Gemeinde zwischen den Stühlen. Einerseits gibt es den BDS, der zwar kaum mehr Aktivitäten macht, aber der größere Dachverband ist. Auf der anderen Seite gibt es den SIG mit verschiedenen Aktivitäten, aber hier fehlen die Mitglieder.
Um diese Situation zu lösen möchte der amtierende Bürgermeister gewisse Aktivitäten und Veranstaltungen von den Vereinen auf die Gemeinde und das neue Citymanagement verlegen. So könnte sich zum Beispiel die Gemeinde und das Citymanagement in Zukunft um den Blumenschmuck direkt kümmern.

Thomas Decker:
Was würden sie gegen den Facharbeitermangel tun und können sie sich Ausbildungsförderungsmaßnahmen vorstellen. Wenn ja, wie?

Martin Schäfer:
Beim Thema Fachkräftemangel verweist Herr Schäfer auf die mehr als erfolgreiche Ausbildungsrally, an der Gröbenzell in den letzten Jahren teilgenommen hat. Diese möchte er auf jeden Fall weiterführen, wenn sich Unternehmen aktiv bereit erklären hier wieder als Standorte zur Verfügung zu stehen.
Gleichzeitig verweist er auf das Engagement der Gemeinde Gröbenzell auf dem Berufsinformationsabend in Fürstenfeldbruck, in Puchheim und in den umliegenden Mittelschulen.

Um das Thema Ausbildung in und um Gröbenzell noch weiter in den Fokus zu rücken und mehr Ausbilungsbetriebe sichtbar zu machen, möchte Herr Schäfer eine eigene Ausbildungsmarke mit „ Wir bilden aus“ entwickeln, mit der sich Ausbildungsbetriebe als solche präsentieren können. Diese Marke soll dann auch auf der FFB Schau von allen Unternehmen zur Schau gestellt werden, damit auch dort Interessenten direkt erkennen können, welche Betriebe ausbilden. 

Darüber hinaus möchte er noch eine eigenes Qualitätssiegel für Gröbenzell entwickeln, das mit „Ausbildungsschmiede Gröbenzell“ die Qualität der Ausbildung in Gröbenzell noch einmal deutlich hervorhebt. Herr Schäfer verweist auch darauf, dass alle Betriebe, die sich mit diesem Qualitätssiegel ausstatten gleichzeitig ihre Auszubildenden teilen könnten. So könnten die Azubis auch sehen wie andere Betriebe funktionieren.

Neben den Angeboten für die jüngere Generation, verweist Herr Schäfer auf den durschlagenden Erfolg des Speeddatings, das die Gemeinde veranstaltet hat. Dort haben sich über 120 Bewerber mit unterschiedlichen Betrieben aus Gröbenzell in der Wildmooshalle getroffen und ausgetauscht.
Von diesem Erfolg war nicht nur die Gemeinde Gröbenzell begeistert, sondern auch das Arbeitsamt, das mit vor Ort war.
Nach diesem Erfolg möchte Herr Schäfer so etwas selbstverständlich in Zukunft weiterführen und ausbauen, damit auch Wiedereinsteiger in Gröbenzell eine einfache Chance haben, Betriebe kennen zu lernen.

Als letzten Punkt verweist Schäfer auf das Jobcafé, bei dem sich fünf Betriebe mit Asylbewerbern getroffen haben. Auch das war ein großer Erfolg in seinen Augen, da aus diesem Treffen verschiedene Anstellungsverhältnisse und Ausbildungen resultierten.

Zum Abschluss an das Gespräch bedankte sich Herr Decker für die Antworten des Bürgermeisterkandidaten und eröffnete das anschließende Netzwerken in Sam’s Cantine.

Der Vorstand der Selbständigen in Gröbenzell bedankt sich besonders bei Herrn Martin Schäfer aber auch bei allen Teilnehmern für die Veranstaltung.

Die letzte „SIG meets…“ Veranstaltung findet statt am 09.03. Diesmal mit der Einladung des Bürgermeisterkandidaten der Grünen Ingo Priebsch.